Spielbälle der EM und WM

WM Spielbälle

Die Anfänge der WM-Fußbälle

Die früheren Bälle waren weder besonders rund noch besonders elastisch und hatten eher eine ovale Form.
Als Charles Goodyear im Jahre 1839 die Vulkanisation, ein Verfahren um Kautschuk widerstandsfähiger zu machen, entdeckte, verbesserte er die danach entstandenen Fußbälle zwar deutlich, rund waren die Bälle dann allerdings immer noch nicht. Der Ball war zum Beispiel nicht vernäht, sondern nur zugebunden und an der Stelle, wo noch kein Luftventil vorhanden war, entstand eine Art Beule, die den Ball im Spiel unberechenbar machten und bei Kopfbällen gerne mal zu Verletzungen führte. Man versuchte zwar durch gefettetes Rindsleder die Situation zu verbessern, aber auch wenn sie noch so gut eingefettet waren, so sogen sie sich immer noch extrem mit Wasser voll und wurden im Laufe des Spieles immer schwerer. Um 1900 herum bestanden die Bälle noch aus Gummi und Leder. 1986 wurden dann erstmals vollsynthetische Bälle verwendet, die den gesamten Spielbetrieb sehr erleichterten und vor allem verhinderten, dass die Bälle zu viel Wasser aufnahmen.
1970 wurden erstmals die bis heute bekannten weiß-schwarzen Bälle eingeführt, seit diesem Jahr stellt auch Adidas offiziell den WM-Ball.

Die WM Bälle von 1950 bis 2014

wm-Spielball 2010 Brazuca

wm-Spielball 2010 Brazuca

Der braune Super Duplo T

Bei der ersten WM nach dem zweiten Weltkrieg in Brasilien wurde ein Fußball mit dem Namen „Super Duplo T“ eingesetzt. Der Duplo T bestand aus echtem Rindsleder, war in brauner Farbe auf dem Spielfeld zu sehen und wurde aus zwölf noch handvernähten Teilen zusammen gesetzt. Erstmals wurde hier ein Ventil eingeführt und der Ball musste nicht mehr zugenäht werden. Dies gab dem Fußball an sich eine rundere Form und machte ihn während des Spiels, zumindestens im Vergleich zu seiner ovalen Form vorher, ein wenig berechenbarer. 1950 nahm Deutschland aufgrund der Weltwirtschaftskrise und fehlendem Geld nicht an der WM teil, da die Reise nach Brasilien zu teuer gewesen wäre. Dafür holte Uruguay mit dem „Super Duplo T“ seinen zweiten Weltmeister-Titel.

Der erste Weltmeistertitel mit dem Swiss WC Match Ball

Im Jahre 1954 bei der WM in der Schweiz wurde der Fußball, der unter dem Namen „Swiss WC Match Ball“ bekannt wurde, ebenfalls aus Leder hergestellt, diesmal aber schon aus gegerbten Leder, während sein Vorgänger noch aus einem eingefetteten Rindsleder bestand.
Außerdem hatte der Ball zum ersten Mal keine typisch braune Farbe sondern war gelblich gefärbt. Bei der WM 1954 wurden auch zum ersten Mal Normen für den Fußball durch die Fifa festgelegt, die genau beschrieben, wie groß und schwer der Spielball zu sein hat. Der gelbe Lederball brachte Deutschland in diesem Jahr den Weltmeister-Titel. Mit schlichtem weißen Trikot mit schwarzem Kragen und Armrändern schuf Deutschland hier das bekannte „Wunder von Bern“.

Mit hunderten von Tests zum perfekten Ball – dem Top Star

Nachdem an die 100 Bälle von der FIFA getestet wurden um einen Ball für die WM ’58 zu finden,, entschied man sich für den „Top Star“, der bei der WM 1958 in Schweden seinen großen Auftritt hatte. Im Vergleich zu seinem Vorgänger gab es allerdings kaum Neuerungen. Er bestand ebenfalls aus gelblichem Leder, den üblichen 18 länglichen Panels und war noch immer aus gegerbten Leder gefertigt. Der Ball war trotzdem sehr solide gebaut.
Das Trikot der Deutschen Mannschaft war mit auffälligem Schnürkragen gestaltet, leider verhalf es der Nationalelf im Spiel um Platz 3 nur auf den 4. Patz.

„Mr. Crack“ in Chile

Eindeutig der interessanteste Name unter den WM Bällen ist der „Mr. Crack“, der bei der WM 1962 in Chile seinen Weg auf den Rasen fand.
Zum ersten Mal bestand der Ball nicht aus länglichen Panels sondern aus zusammengenähten, achteckigen Panels, die dem Spielball insgesamt zu einer runderen Form verhelfen sollten. Allerdings verlor „Mr. Crack“ im Laufe der WM immer wieder an Gewicht, weshalb der zuvor in Schweden genutzte „Top Star“ – WM-Ball noch einmal zum Einsatz kam um den WM-Spielball 1962 abzulösen.
Der immer noch leicht gelbliche gefärbte Ball verhalf dem Deutschen Nationalteam gerade mal auf Platz 7 – vielleicht lag es an dem immer noch gleich gebliebenen Trikot mit schwarzem Schnürkragen.

Die WM in England und der „Challange 4-Star“

Die WM 1966 in England mag wohl schlechte Erinnerungen bei so einigen Fußballbegeisterten hervorrufen: Deutschland verlor im Finale gegen England in der 101. Minute des Spiels. Das legendäre Wembley-Tor schoss der Sieger England mit dem „Challange 4-Star“, einem Lederball in rötlich-brauner Farbe. Allerdings ging der Trend bei der WM 1966 in England wieder weg von den achteckigen Panels hin zum länglichen Panel-Design. Der Ball stammte aus englischer Produktion und wurde von der Firma Slazenger gefertigt, die in einem langen Auswahlverfahren den Zuschlag bekam. Insgesamt 300 Modelle wurden für die WM 1966 gefertigt. Deutschland lief bei dieser Weltmeisterschaft in einem einfach gehaltenen, weißen Trikot auf, das eher an ein normales T-Shirt als an ein Trikot erinnerte.

Schwarz-weiß ist der neue Trend – der „Telstar Dulast“ in Mexiko

Bei der WM 1970 in Mexiko kam der „Telstar Dulast“ zum Einsatz. Seit diesem Jahr stellt Adidas nun offiziell den mit typischen Adidas-Streifen besetzten Ball. Er bestand aus zwölf schwarzen Fünfecken und 20 weißen Sechsecken. Die schwarz-weiße Farbe rührte daher, das der Ball so besser auf schwarz-weiß-Fernsehgeräten vom ebenso grauen Rasen zu unterscheiden war. Zwar gab es schon seit 1967 Farbfernseher, diese waren aber für den größten Teil der Bevölkerung ein Luxusgut. Damit wurde der Ball zum Vorbild für alle folgenden Bälle. Wie üblich bestand der Ball aus Leder. Grundlage für den Namen war der Telstar Satellit, an dessen sphärischen Aufbau und Panels sich das Design der Ball orientierte. 1970 erreichte Deutschland Platz 3 und lief zum ersten Mal in grünem Auswärtstrikot auf.

Deutschland wird Weltmeister im eigenen Land – mit dem Telstar Dulast

Der selbe Ball wie bei der WM in Mexiko kam vier Jahre später auch bei der Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland zum Einsatz.
Der Telstar Durlast unterschied sich nur sehr wenig vom ursprünglichen Telestar, außer das er diesmal eine schwarze statt der bisher üblichen goldenen Beschriftung besaß.
Der Deutschen Nationalelf spielte diese Tatsache aber keine Rolle, ganz im Gegenteil: Sie gewannen die WM im eigenen Land. Ihr Trikot bei diesem Siegeszug unterschied sich kaum von den vorangegangenen.

Der Tango-WM-Ball in Argentinien und Spanien

Mit dem „Tango Durlast“ bei der WM in Argentinien 1978 wurde das klassische Wabenmuster durch ein Muster aus 20 identischen Flächen abgelöst. Und das Design blieb für die nächsten Weltmeisterschaften bestehen. Zudem war der Tango-WM-Ball, wie er abgekürzt genannt wurde, wetterbeständiger als seine Vorgänger, brachte Deutschland aber nur auf Platz 6. Vier Jahre später bei der WM 1982 in Spanien kam der Tango noch einmal zum Einsatz, dieses Mal allerdings zu Ehren des Landes unter dem Namen „Tango Espana“ – anders als sein Vorgänger brachte der WM-Ball den Deutschen in weißem, langärmligen Trikot und schwarzem Adler rechts auf der Brust den 2. Platz. Der „Tango Espana“ aber hatte eine innovative Neuerung zu bieten: zum ersten Mal wurden die Nähte wasserdicht versiegelt, was die Wasseraufnahme des Balls bei Regen sehr stark verringerte, die Gewichtszunahme dadurch minimierte und die Flugeigenschaften des Balls stark verbesserte.

Der erste vollsynthetische WM-Ball

Der “Azteca México”, mit dem die WM 1986 in Mexiko gespielt wurde, war etwas ganz Besonderes: er war der erste vollsynthetische Spielball bei einer Fußball-Weltmeisterschaft. Er war damit stabiler, auch was seine Flugbahn anging, er war fester, was es einfacher machte ihn zu spielen und zudem nahm er kein Wasser mehr auf. Damit wurde die Spielbarkeit über das gesamte Spiel hinweg konstant aufrecht erhalten. Zu Ehren der Gastgeber waren auf dem Ball Triaden in Form einer aztekischen Mauer aufgestickt.
Mit dem voll-synthetisierten Ball schaffte Deutschland es bis ins Finale, scheiterte dann aber an Argentinien. Das Trikot, das die Deutsche Nationalelf dabei trug, war traditionell weiß, mit dem schwarzen Adler auf der rechten Seite auf Brusthöhe und schwarze Streifen die sich vom Hals über die Schulter bis hin zum Ärmelende zogen. Die Ärmelränder und der Kragen waren schwarz-rot-gelb gefärbt, auswärts trug Deutschland wieder Grün.

Der dritte Weltmeistertitel mit dem Etrusco Unico

Der „Etrusco Unico“ bei der WM in Italien 1990 stellte die nächste Stufe synthetischer Bälle dar: dank einer inneren Schicht aus schwarzem Schaumstoff war der WM-Spielball nun vollständig wasserabweisend – der Ball ließ sich noch besser spielen und erreichte durch sein leichtes Material eine höhere Schussgeschwindigkeit. Wie sein Vorgänger bestand der Ball aus 20 Triaden und als weitere Besonderheit zierten jede dieser 20 Panels drei etruskische Löwenköpfe, um den Etruskern, die eine wichtige Rolle in der Geschichte Italiens spielen, gedenkt.
Der Ball nahm durch die 20 aneinander genähten Panels und sein Design ein sehr rundes Aussehen an.
Das Trikot der Deutschen zeigte in diesem Jahr mehr Farbe als zuvor: ein schwarz-rot-gelber Streifen in Form einer Fieberkurve zog sich auf Brusthöhe über das Oberteil.
Scheinbar brachten die farbigen auffälligen Trikots der Nationalelf Glück: Deutschland gewann im Finale gegen Argentinien und fuhr so seinen dritten Weltmeisterschaftstitel ein.

„Questra“ und die neue Generation Hightech

Mehr Ballkontrolle, sehr hohe Energierückgabe und einer besserer Dämpfung für Kopfbälle – dank einer Hightech-Schicht aus weißem Polyethylenschaum, der in den „Questra“ bei der WM 1994 in den USA eingelassen war, konnte dies alles umgesetzt werden. Der Ball wurde nicht nur besser kontrollierbar, er ließ sich auch besser und schneller passen. Resultate waren stärkere und genauere Schüsse als jemals zuvor. Das war der WM-Ball der Weltmeisterschaft in den USA 1994. Der unter dem amerikanischen Motto „Griff nach den Sternen“ produzierte Spielball verhalf dem Deutschen Team bis auf den 5. Platz.
Das Trikot schloss an die farbenfrohe Optik seiner Vorgänger an, diesmal in Schachbrettoptik über die Schultern bis hin zur Brust. Seit der EM 1992 trugen die Spieler ihren Namen erstmals auf dem Rücken.

Der dreifarbige Tricolore in Frankreich

Eine Schaumschicht aus mit Gas gefüllten Mikrobällen verbesserte die Energierückgabe des “Tricolore”, der 1998 bei der WM in Frankreich gespielt wurde, noch weiter. Erstmals außerhalb von Europa hergestellt und zu dieser Zeit äußerst modern durch die Schaumfüllung unter dem Leder. Der Name Tricolor bezieht sich auf den – zum ersten Mal in der Geschichte des Fußballs – mehrfarbigen WM-Spielball. Inspiriert wurde der Name durch die französische Flagge, die sogenannte Trikolore. Dank der in den Ball eingelassenen Schaumfüllung hatte der Ball eine verbesserte Energierückgabe, war beständiger in seiner Form und hatte überzeugende Flugeigenschaften.
1998 schied Deutschland schon im Viertelfinale aus und belegte den 7. Platz. Das Trikot blieb weiterhin im schwarz-rot-gelben Stil, diesmal waren die deutschen Farben in Form von Streifen auf der Brust vertreten, die Nummer war wieder vorne zu finden.

Die erste Fußball-Weltmeisterschaft auf asiatischem Kontinent mit dem Fevernova

Der „Fevernova“, der Ball der Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea und Japan, zeigte sich farbenfroh. Diesen Spielball ziert ein sehr buntes Design, welches an die asiatische Kultur erinnern und sie ehren sollte. Seine eingebettete Schaumstoffschicht war mit einem dreilagigen Polymer-Gewebe verbunden und sorgte für eine viel präzisere und vor allem berechenbarere Flugbahn. Wie seine Vorgänger auch war der Ball im üblichen schwarz-weiß Muster gestaltet.
2002 schaffte die deutsche Mannschaft es mit einem schlichten weißen Trikot und schwarzen Streifen auf der Schulter ins Finale, konnte sich dann aber nicht gegen Brasilien behaupten.

+Teamgeist und die WM in Deutschland

Zusammenhalt – dafür steht der „+Teamgeist“-WM-Spielball der 2006 in Deutschland zum Einsatz kam. Dieser Ball bestand nun aus 14 Panels anstatt den vorherigen 20 und sorgte damit für ein äußerst rundes Format und Aussehen. Der Ball wich nur noch mit einem Wert von 0,1% von der perfekten Kugel ab, was zu einer verbesserten Präzision und Ballkontrolle führte.Der Ball der 2006 veranstalteten WM war extrem wasserabweisend und behält so seine Flugeigenschaften auch an verregneten Tagen. Die einzelnen Panels waren darüber hinaus nicht vernäht sondern miteinander verschweißt, somit war der Ball noch belastbarer.
Zum ersten Mal bei einer Fußball-Weltmeisterschaft wurden alle Spielbälle mit den Namen der beiden spielenden Mannschaften, dem Datum, der Uhrzeit und dem Spielort beschriftet.
Deutschland schaffte es mit dem +Teamgeist auf Platz 3, während Frankreich im Elfmeterschießen im Finale gegen Italien unterlag. Das Trikot war weiß, die Nummer vorne und knüpfte mit seinen schwarz-rot-gelben Seitenstreifen wieder an die vorangegangenen Oberteile an.

Südafrika 2010 und der „Jabulani“

Bei der WM im Jahr 2010 in Südafrika kam ein Ball aus mehreren hochwertigen Kunststoffschichten zum Einsatz. Im Inneren befand sich eine Latex-Blase, die von einem Baumwollgewebe umgeben war. Zusätzlich bestand der Ball nur aus acht Panels, was seine Eigenschaften im Flug und bei Pässen nahe am Boden sehr positiv beeinflusst. Bei dem Ball mit dem Namen „Jabulani’“ wurden die Flugeigenschaften auch durch kleine Rillen, die in den Ball eingelassen waren, verbessert. Dadurch erhielt der Spielball sehr gute aerodynamische Eigenschaften. Der sehr leichte Ball mit nur 400 Gramm machte ihn zu einem leicht zu führenden Spielball. Das Besondere: Der Ball war in elf verschiedenen Farben gestaltet, jede der Farben symbolisierte eine der elf offiziellen Sprachen in Afrika und ihren dazugehörigen Stamm. Für das Finale kam ein Ball mit goldenem Spezialdesign zum Einsatz.

jabulani

Allerdings wurde der Spielball vor der WM vor allem von den Torhütern stark kritisiert: der Ball sein nicht einzuschätzen, sogar unberechenbar, gut für so manchen Spieler aber ungünstig für die Keeper.
Deutschland trat in weißem Trikot mit goldenem Adler auf der Brust, der von drei deutschland-Farbenen Streifen durchzogen wurde, auf das Spielfeld.
Der Name „Jabulani“ bedeutet in der Sprache der Zulu so viel wie „sich freuen“. Auch Deutschland konnte sich freuen, sie belegten Platz 3 bei der WM 2006 in Südafrika.

Brasilien 2014 und ein weiterer Weltmeister-Titel

Die WM 2014 in Brasilien verschaffte dem deutschen Team mit dem „Brazuca“ einen Höhenflug und katapultierte die Mannschaft ins Finale und geradewegs auf den ersten Platz. Der Ball in seinen bunten Farben und dem Schleifenmuster sollte die außerordentliche brasilianische Lebensfreude symbolisieren und weitertragen. Der Spielball bestand aus speziellem Material, das die Temperatur regulierte und war perfekt auf das warme Klima in Brasilien abgestimmt. Der Name wurde im übrigen von Fans gewählt. Deutschland trat in seinem Siegeszug mit einem Trikot mit drei roten Streifen in verschiedenen Rottönen auf der Brust auf. Schwarze Streifen auf der Schulter und schwarz-rot-gelbe Ärmel runden das Oberteil ab.

EM-Bälle 1972 bis 2016

EM Ball NameEM JahrLand

Telstar Durlast EM 1972 Belgien
Telstar Durlast EM 1976 Jugoslawien
Tango Italia EM 1980 Italien
Tango Mundial EM 1984 Frankreich
Tango Europa EM 1988 Deutschland
Etrusco Unico EM 1992 Schweden
Questra Europa EM 1996 England
Terrestra Silverstream EM 2000 Belgien & Niederlande
Roteiro EM 2004 Portugal
Europass EM 2008 Österreich & Schweiz
Tango 2012 EM 2012 Polen & Ukraine
? EM 2016 Frankreich

Die Bälle von 1972 bis 2012

Die EM mit dem Telstar Durlast – Belgien 1972

Seit 1970 war Adidas offiziell im Auftrag der FIFA für die Belieferung mit Fußbällen zuständig. Der erste Adidas-EM-Ball mit dem Namen Telstar Durlast, der auch in der WM 1970 in Mexiko sowie der WM 1974 mit identischen Eigenschaften genutzt wurde, war auch der erste Ball, der aus schwarzen und weißen Panels zusammen gesetzt war – anstatt der sonst verwendeten Lederstreifen. Benannt wurde der Ball nach dem Satelliten Telstar und dessen wabenähnlichen Aufbau. Auch wenn das schwarz-weiße Design ursprünglich genutzt wurde, damit der Ball in den damaligen Schwarz-Weiß-Fernsehgeräten besser zu erkennen war, wird dieser Aufbau des Balles noch bis heute verwendet. Der Ball sorgte damals für ein flüssiges Spiel und fand besonders bei den Leuten Anklang, die sich zur damaligen Zeit noch keinen Farbfernseher leisten konnten – und das konnten die wenigsten.
Bei der EM 1972 in Belgien konnte Deutschland als Europameister aus dem Turnier hervorgehen, nachdem das deutsche Team das Finale gegen die Sowjetunion gewann.
Auf die Jungs in schwarz-weiß war Verlass, bei der EM‘ 72 trat die deutsche Mannschaft in weißem Trikot mit schwarzen Streifen auf und holte sich seinen ersten Europameistertitel.

Wieder der Telstar – diesmal in Jugoslawien

Der Telstar Durlast hatte sich bis zur EM 1976 in Jugoslawien so sehr bewährt, das er auch in diesem Jahr wieder bei der EM eingesetzt wurde.
Zu seiner Zeit war er durch die 32 handgenähten schwarz-weißen Panels der rundeste Ball den es bis dato im Fußballsport gab und sorgte somit für bis dahin beste Flugeigenschaften. Aus diesem Grund entschloss man sich auch, keinen neuen Ball zu entwickeln sondern den Telstar Durlast auch 1976 weiterhin einzusetzen.
Fast hätte das deutsche Nationalteam es geschafft seinen Titel zu verteidigen, scheiterte aber dann doch im Finalspiel an dem Team der Tschechoslowakei. Dieses Jahr liefen die Deutschen in grünem Trikot auf, welches lange Zeit das Auswärtstrikot war.

1980 in Italien mit dem Tango Italia

Im Jahr 1980 fand die Fußball-Europameisterschaft in Italien statt. Der Name des Spielballs lehnte sich an den Namen des Gastgeberlandes an – „Tango Italia“ war der Name des Balles der bei der EM `80 verwendet wurde. Insbesondere im Design unterschied sich der Tango – wie man den Ball auch des öfteren nennt – vom Telstar Dulast. Zwar wurde er immer noch von Adidas produziert und war immer noch aus Sechs- und Fünfecken, aber dieses Mal wurden 20 gleichgroße, schwarze Panels verwendet, so das der Ball aussah, als würde er aus zwölf Kreisen bestehen.
Bis zur EM 1998 wurde das scheinbar beliebte Design in den folgenden Weltmeisterschaften und Europameisterschaften weiterhin benutzt.
Deutschland schaffte es wieder ins Finale: diesmal sahen sie sich Belgien gegenüber. Und konnten sie erfolgreich schlagen. Mit dem Sieg im Finale in Italien verzeichnete die deutsche Elf ihren zweiten Europameistertitel. Ihre Trikots waren wie gewohnt schwarz-weiß, jedoch mit neuem, schwarzen Kragen und drei schwarzen Streifen an den Ärmeln. Das Auswärtstrikot war immer noch grün.

Die EM in Frankreich 1984 und der Tango Mundial

Bei dieser Europameisterschaft schied die deutsche Mannschaft schon als Gruppendritter aus.
Der offizielle Adidas-EM-Ball war wieder ein Tango, diesmal aber nannte man ihn „Tango Mundial“. Da man in den voran gegangenen Europameisterschaften mit den Flugeigenschaften und der Beschaffenheit des Balles zufrieden war, verzichtete man weiterhin auf Veränderungen. Bis dahin war der Ball immer noch aus einer Polyurethanschicht hergestellt, die den Ball vor Nässe schützt. Dadurch wurde die Wasseraufnahme in den Ball verringert und damit auch die Gewichtsaufnahme während des Spiels minimiert. Die überzeugende Qualität spricht für die lange Verwendung des Tangos.
Das Trikot das die Deutschen trugen unterschied sich bis auf den Kragen nicht vom Trikot 1980.

Weg vom Leder, hin zu synthetischen Bällen

Im Laufe der Zeit musste man immer wieder feststellen, das Leder als bisheriger Stoff für die Produktion eines EM-Balls nicht mehr gut genug war. Die schlechteren Eigenschaften im Spiel und das größte Makel, nämlich das der Ball immer noch zu viel Wasser aufnahm und ständig in den Spielen ausgetauscht wurde, weil er zu schwer wurde.
Mit der Erfindung von synthetischen Materialien und deren Verwendung wurde der Rasensport wieder ein Stück weit revolutioniert.

Wieder ein Tango in Deutschland – der Tango Europa

Nachdem sich Deutschland bereits im Jahr 1984 für die Austragung der Europameisterschaft beworben hatte, aber Frankreich die Zustimmung erhielt, stand Deutschland im Jahr 1988 die Ehre zu, die Europameisterschaft auszutragen. Und wieder kommt ein Spielball mit dem Namen Tango zum Einsatz, der „Tango Europa“, der sich erneut in seinem Namen aber diesmal auch in seiner Beschaffenheit unterschied: seit 1986 wurden Fußbälle nicht mehr aus Leder, sondern aus synthetischem Material hergestellt.
Durch dieses Material wurde die Flüssigkeitsaufnahme noch weiter verringert. Außerdem wurde die Strapazierfähigkeit verbessert und eine derart gute Stabilität wie beim „Tango Europa“ war bisher noch nie erreicht wurden.
Leider unterlag die deutsche Mannschaft den Niederlanden im Halbfinale. Das Trikot war klassisch schwarz-weiß, schwarze Streifen zogen sich von der Schulter bis zum Ärmel. Zusätzlich ziehen sich schwarz-rot-gelbe Streifen über den Ärmelrand und am Kragen.
Der „Etrusco Unico“ in Schweden 1992

Im Jahr 1982 fand die Fußball-Europameisterschaft in Schweden statt. Der offizielle Spielball der EM 1992 war wie auch bei der WM 1990 der „Etrusco Unico“. Durch seine schwarze, innere Schicht aus Polyurethan-Schaum, die für noch bessere Wasserabweisung sorgte, konnte das Gewicht des Balles über den ganzen Spielzeitraum unter Kontrolle behalten werden und erleichterte den Spielablauf erheblich, Um die Stabilität des Spielballs zu verbessern wurde dem Ball zusätzlich eine Schicht aus Latex hinzugefügt. Die Hülle des Balls sorgte für einen gute Energierückgabe und machte vor allem Pässe leichter. Die Trikots der Mannschaft war weiß, auf beiden Seiten unterhalb der Schultern zogen sich schwarz-rot-gelbe Streifen, der Kragen war mit Adidas-Zeichen besetzt. Auswärts hatte das Team ein blaues Trikot im selben Stil.
Deutschland belegte in diese Jahr den 2. Platz, konnte sich leider nicht gegen den Sieger Dänemark behaupten.

Die „Three Lions“ und der „Questra Europa“ – England 1996

Für die EM 1996 in England wurde das Design des Balles dahin gehend verändert, das eine blaue Abbildung auf den Spielball aufgedruckt wurde – sie zeigte die „Three Lions“ mit einer roten Rose in der Mitte. Jetzt wurden die Bälle auch immer mehr Hightech: in den „Questra Europa“ von 1996 wurde zum ersten mal eine weiße Polyethylen-Schicht eingelassen, die für eine besonders hohe Energierückgabe und leichte Bespielbarkeit sorgte. Der offizielle Spielball war nun erstmals auch farblich gestaltet, orientierte sich aber an seinem WM-Vorgänger. Die guten Eigenschaften wurden beibehalten und sorgten für ein angenehmes Spielgefühl. Durch die kompressionsfähige Schicht war der Ball auch besonders für Kopfbälle geeignet.
Mit dem „Questra Europa“ wurde Deutschland zum dritten Mal Europameister und konnte sich gegen Tschechien behaupten.
Das Trikot war wie immer schwarz-weiß, zwei runde Aufnäher an den Ärmeln und einem orangenen Streifen am Kragen. Die Nummer befand sich vorne, der Adler auf der Brust und darüber drei farbige Sterne in den Farben des deutschen Nationalteams.

Der Terrestra Silverstream – Belgien und Niederlande 2000

Die Europameisterschaft fand im Jahr 2000 in zwei verschiedenen Ländern statt – Belgien und Niederlande. Der Ball der hier zum Einsatz kam nannte sich ganz futuristisch „Terrestra Silverstream“ und zog in seiner Optik seine Namen in nichts nach. Der Spielball war mit silbernen Akzenten besetzt. Die Außenschicht war aus synthetischem Schaum produziert, damit war der Ball sehr leicht, etwas weicher und leicht zu kontrollieren. Besonderheit an dem EM-Ball von 2000 war seine präzise und auch leicht einzuschätzende Flugkurve. Der Ball war strapazierfähiger und erreichte höhere Fluggeschwindigkeiten.
In diesem Jahr konnte Frankreich den Titel für sich beanspruchen, Deutschland schied schon in der Vorrunde aus. Die Trikots zeigten sich in weiß mit schwarzen Ärmeln mit weißen Streifen, zwei Aufnäher links und rechts auf den Armen und wurden schon im Vorfeld als modisches Desaster gesehen.

Der Ball mit dem Namen „Roteiro“ in Portugal 2004

Die Europameisterschaft wurde 2004 im warmen Portugal ausgetragen. Griechenland konnte sich in diesem Turnier im Finale gegen den Gastgeber Portugal durchsetzen, Deutschland schied wie auch schon 2000 in der Vorrunde aus.
Mit dem Namen des Spielballs „Roteiro“ nahm Adidas Bezug auf bekannte portugiesische Seefahrer, deren Logbuch auch den Namen „Roteiro“ trugen.
Rein äußerlich behielt der Ball sein eher futuristisches Design bei, er war metallfarben eingefärbt und vier blaue Streifen zogen sich über den Ball. Das Design sollte an das Meer und die blauen Streifen an Linien eines Koordinatensystems erinnern. Technisch gesehen konnte der „Roteiro“ mit der integrierten Power Balance Technologie auftrumpfen.Allerdings: Manche waren von dieser Technologie begeistert, einige Kritiker, vor allem die Spieler, sprachen sich aber dagegen aus. Auf der Seite des Ventils war ein Gegengewicht angebracht, das Unwuchten verhindern sollte. Zusätzlich waren die Nähte zum ersten Mal nicht mehr zusammengenäht, sondern thermisch zusammengeklebt. Der Spielball 2004 bestand vollständig aus Polyurethan, einem Kunststoff, der die Aufnahme von Wasser verhinderte und behielt sein Gewicht so konstant über das ganze Spiel. Somit wurde der Ball langlebiger und musste nicht, wie in früheren Spielen oft der Fall, noch innerhalb einer Halbzeit ausgetauscht werden.
Auf den Trikots der EM in Portugal 2004 waren die Nationalfarben wieder stärker vertreten,
so zogen sich rote und gelbe Streifen auf halber Armlänge, die Ärmel waren schwarz gefärbt und wurden von weißen Streifen durchzogen.

Die nächsten Weltmeisterschaften – ab 2008

Im Laufe der zeit bemühte man sich vor allem drum, den Spielball immer mehr zu perfektionieren und ihm die bestmöglichsten Flugeigenschaften zu geben. Besonders das Problem der Wasseraufnahme sollte endgültig behoben werden. Um die offiziellen Adidas-EM-Bälle wurde viel Forschung, viel Zeit und vor allem auch viel Geld investiert, alles mit dem Ziel, einen immer perfekteren Ball zu erschaffen.

Ein deutlicher Sprung nach vorne – der Europass

Der Europass, der Ball der 2008 bei der WM in Österreich und der Schweiz zum Einsatz kam, mischt sich optisch aus seinen zwei Vorgängern zusammen. Er bestand aus 14 Panels und verwendete im Vergleich zu den vorhergehenden Bälle ein Stoff mit rauer Oberfläche um dem Ball eine besondere Griffigkeit zu verschaffen. Die Panels wurden wieder thermisch verschweißt. Besonders bei schlechtem Wetter, was hier auch öfters vorkam, war dies besonders nützlich. Der Name Europass soll namentlich Europa in einem Turnier vereinigen.
Die Trikots waren den Vorgängern nicht unähnlich. Das Trikot war weiß, schwarze Streifen über der Schulter und ein schwarz-rot-gelb Streifen über Brust zierten die Vorderansicht des Oberteils. Mit 3 gelben Sternen über dem Adler und der Spielerzahl daneben stellte einen Kontrast zu den vorhergegangener Trikots dar.
Deutschland schaffte damit den Einzug ins Finale, musste aber gegen Spanien zurück stecken und so blieb es bei dem zweiten Platz.

Tango 12 – Polen & Ukraine 2012

Bei der EM 2012 versäumte Deutschland die Chance sich für das verlorene Finale im Jahr 2008 zu revanchieren und schied schon im Halbfinale gegen Italien aus.
Das Trikot war schlicht gehalten, weiß, mit drei dünne streifen in Schwarz, Rot und Gold die diagonal über das T-Shirt verliefen.
Im Vergleich zu dem dezenten Trikot war der Spielball der EM 2012 in Polen und der Ukraine von Adidas alles andere als dezent. Inspiriert wurde der Ball vom Tango der 1978 verwendet wurde, für die Farben dienten die Nationalfarben der beiden Gastgeber. Im Zentrum des Balles befand sich eine Blume, das Logo der Veranstaltung. Es gab auch einige Überschneidungen und Ähnlichkeiten mit dem WM-Ball 2010 aus Südafrika.
Für die Entwicklung des Balles wurden ganze zwei Jahre investiert bis schließlich der Tango 12 gefertigt werden konnte.
Wie schon zuvor sind die einzelnen Panels mit Hilfe von Wärme miteinander verklebt – der Ball bestand so aus nur einem einzigen Teil, was für eine gute Präzision sorgte. Getestet wurden die Bälle sogar unter anderem im Windkanal um die optimalen aerodynamischen Eigenschaften zu finden.